Bewegung im Raum

Der Einfluss von räumlicher Mobilität auf den sozialen Raum. Eine sozialgeschichtliche Studie zur Bundesrepublik Deutschland 1975–2010

Im Zuge der Globalisierung haben Dezentralisierungsmaßnahmen und Flexibilitätsanforderungen das Leben grundlegend verändert. Dabei forderte die Flexibilitätsprämisse gerade eines vom Menschen: Mobilität. Viele Wissenschaftler verstehen Mobilität als das „Schlüsselphänomen der Moderne“. Zugleich wird in der Forschung ein sozialer Wandel diagnostiziert. Während die deutsche Nachkriegsgesellschaft noch als eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft verstanden wurde, entwickelte sie sich seit Mitte der 1970er bis in die Gegenwart zu einer Differenzierungsgesellschaft. Hingen die – zumindest so wahrgenommene – zunehmende Mobilität und der gesellschaftliche Wandel zusammen? Das Projekt verknüpft diese beiden Phänomene.

Unter der Leitfrage nach den Effekten geographischer Mobilität werden die Auswirkungen von Bewegungen im geographischen Raum auf den sozialen Raum untersucht. Bedingten geographische Mobilitätsprozesse sozialen Auf- und Abstieg – waren sie hierfür gar Voraussetzung? Räumliche Mobilität subsumiert hier sowohl das tägliche Berufspendeln als auch Wohnungsumzüge und steht insgesamt für die Erfahrung sich wechselnder Lebensmittelpunkte. Für die Zeit seit Mitte der 1970er Jahre bis heute erfasst dieses Projekt den Verlauf von Rhythmus und Richtungswechseln sozialstruktureller Veränderungen in Deutschland. Im Zusammenhang gesellschaftlicher Entwicklungen wird im wissenschaftlichen Diskurs im Besonderen die Frage nach der Möglichkeit von Teilhabe gestellt. Bisher wurde allerdings die Rolle des Räumlichen für die Reproduktion sozialer Ungleichheit vernachlässigt. Hinsichtlich des Untersuchungszeitraums der letzen drei Jahrzehnte kommt der deutschen Wiedervereinigung eine besondere Bedeutung zu. Löste sie in auffälliger Weise eine Mobilitätsbeschleunigung aus? Schließlich wird in einem übergeordneten Zusammenhang nach dem Ausmaß des Wandels der letzten Jahrzehnte im Vergleich zu früheren gesellschaftlichen Erfahrungen gefragt.