It’s the same difference. Literarische Übersetzung als Medium des Kulturkontakts in Quebec

Meine Dissertation untersucht das imaginäre Potential Quebecer Identitätsbildung in frankophonen literarischen Texten und deren englischen Übersetzungen, um dadurch die Bedeutung von Übersetzung im Hinblick auf Prozesse und Räume interkultureller Begegnung zu erforschen. Übersetzung wird demnach als Ausdruck und Repräsentation kultureller Diversität und als Verbindungsmoment im Kulturkontakt betrachtet. Als besonders geeignet für die Untersuchung dieser Thematik können die Romane L’hiver de force von Réjean Ducharme (1973) und La Québécoite von Régine Robin (1983) sowie deren englische Übersetzungen betrachtet werden, da sie sich auf formal und inhaltlich komplexe Weise mit Themen und Diskursen und vor allem auch sprachlichen Besonderheiten Quebecs auseinandersetzen.

Im Mittelpunkt der Arbeit werden die Fragen stehen, wie in den Texten ein spezifisch Quebecer Bedeutungssystem (« Québécité ») evoziert und konstruiert wird, wodurch sich dieses auszeichnet und wie es ins Englische übertragen werden kann. Es wird argumentiert, dass Québécité in diesen literarischen Werken als ein heterogenes imaginäres Kulturkonzept entworfen wird, das sich in entscheidendem Maße durch ein „Anderes“, insbesondere durch das Englische in Montreal, konstituiert. Dieser Umstand lässt sich beispielsweise an der starken Rezeption heterolingualer Elemente in den Primärtexten nachvollziehen. 

Die Arbeit zielt darauf, eine Typologie dieser heterolingualen und kulturspezifischen Elemente zu erstellen und vergleichend zu analysieren, wie in den englischen Übersetzungen der Texte mit diesen Elementen umgegangen wird, welche Übersetzungsstrategien, Verluste bzw. Re-arrangements bei der Übertragung bemerkt werden können und welche Formen von interkultureller Interaktion dementsprechend nachvollziehbar werden. Gerade im Kontext des unmittelbaren alltäglichen Kontakts des Französischen und des Englischen in Quebec, aber auch in dem historisch konfliktären Verhältnis der beiden Sprachen sind dabei Formen der negotiation, appropriation und transformation besonders hervorzuheben, die auf Aneignungs- bzw. Assimilationsprozesse, aber auch auf solche der Emanzipation schließen lassen.