I.07: Soziale Netzwerke und die Bewältigung von Armut und Schulden unter Bedingungen der Migration

Pro­jekt­be­schrei­bung

Die Le­bens­la­gen von Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund sind in Deutsch­land über­pro­por­tio­nal durch knap­pe fi­nan­zi­el­le Res­sour­cen ge­kenn­zeich­net. Die­ser Zu­sam­men­hang wurde viel­fach be­legt. Wie al­ler­dings Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten ar­muts­be­ding­te Pro­blem­la­gen be­wäl­ti­gen und wel­che Wege und Stra­te­gi­en sie zu deren Lin­de­rung ent­wi­ckeln, ist da­ge­gen kaum be­kannt. Diese Frage war Aus­gangs­punkt und Er­kennt­nis­in­ter­es­se un­se­rer ers­ten Pro­jekt­stu­die. Be­son­de­re Auf­merk­sam­keit haben wir dabei der Be­deu­tung so­zia­ler Netz­wer­ke ge­schenkt.

Er­geb­nis­se

Die Stu­die zeigt, dass die Le­bens­si­tua­ti­on von Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten, die in Armut leben, durch feh­len­de An­er­ken­nung und Ex­klu­si­ons­er­fah­run­gen ge­prägt ist. Diese Pro­zes­se er­klä­ren sich so­wohl aus der pre­kä­ren fi­nan­zi­el­len Si­tua­ti­on der Be­trof­fe­nen als auch aus ihrem Sta­tus als Mi­gran­tin bzw. Mi­grant. Die Be­wäl­ti­gung von Schul­den und Armut unter Be­din­gun­gen der Mi­gra­ti­on zielt dem­ent­spre­chend nicht nur auf die Lin­de­rung ihrer fi­nan­zi­el­len Pro­blem­la­gen, son­dern geht ins­be­son­de­re mit dem Stre­ben nach ge­sell­schaft­li­cher An­er­ken­nung und Par­ti­zi­pa­ti­on ein­her.

„Trans­na­tio­na­le Ver­bin­dun­gen“ ©memo/Fotolia.​com
Die Stu­die zeigt auch, dass die Le­bens­si­tua­ti­on armer und ver­schul­de­ter Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten durch viel­fäl­ti­ge grenz­über­schrei­ten­de Ver­flech­tun­gen mit ihrem Her­kunfts­land ge­prägt ist. Viele von ihnen un­ter­stüt­zen ihre noch är­me­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­der im Her­kunfts­land oder in an­de­ren Län­dern. Zum Teil geht dies mit der Ver­schlech­te­rung ihrer ei­ge­nen Si­tua­ti­on in Deutsch­land ein­her. Arme Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten grei­fen aber auch auf trans­na­tio­na­le Ver­bin­dun­gen zur Be­wäl­ti­gung ihrer ei­ge­nen (fi­nan­zi­ell) pre­kä­ren Si­tua­ti­on zu­rück. So über­neh­men Fa­mi­li­en­mit­glie­der des Her­kunfts­lands die Be­treu­ung ihrer Kin­der in Kri­sen­si­tua­tio­nen, Kon­sum­gü­ter wer­den aus Kos­ten­grün­den in den Her­kunfts­län­dern ge­kauft oder trans­na­tio­na­le Kleinst­un­ter­neh­men zur Ein­kom­mens­ge­ne­rie­rung auf­ge­baut.

Per­spek­ti­ve der ak­tu­el­len Stu­die: Armut und Schul­den grenz­über­schrei­tend

In un­se­rem ak­tu­el­len Pro­jekt un­ter­su­chen wir daher den Zu­sam­men­hang von Armut und Schul­den im trans­na­tio­na­len Raum. Wir gehen der Frage nach, wel­che Be­deu­tung grenz­über­schrei­ten­de Ver­flech­tun­gen zwi­schen Deutsch­land und dem Her­kunfts­land (und mög­li­cher­wei­se an­de­ren Län­dern) für die Ent­ste­hung, Ver­schär­fung und Be­wäl­ti­gung von Armut und Schul­den haben.

Das Pro­jekt sie­delt sich so in­ner­halb des Kon­zepts der Trans­mi­gra­ti­on an und grenzt sich von bis­he­ri­gen Ver­ständ­nis­sen von Mi­gra­ti­on als Be­we­gung in eine Rich­tung –d.h. vom Her­kunfts- in das Auf­nah­me­land– ab. Un­se­rer For­schung geht davon aus, dass Mi­gran­tin­nen und Mi­gran­ten das Her­kunfts- und Ziel­land auf viel­fäl­ti­ge Weise ver­knüp­fen. Kurz auf den Punkt ge­bracht, wird Mi­gra­ti­on nicht mehr als Ein­bahn­stra­ße ver­stan­den, son­dern als „a two way road“.

Team

Pro­jekt­lei­te­rin

Prof. Dr. Cor­ne­lia Schwep­pe, Mainz

Mit­ar­bei­te­rin­nen

Dipl. Päd. Désirée Ben­der
Dipl. Päd. Tina Holl­stein
Dipl. Päd. Lena Huber

Publikationen

  • Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2009): Armut, Schul­den und in­ner­fa­mi­lia­le Prak­ti­ken des Geld­trans­fers. In: ZVI, Son­der­heft 15. Mai 2009, S. 57-62
  • Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2009): Trans­mi­gra­ti­on und Armut: Zwi­schen pre­kä­rer Un­ter­stüt­zung und ri­si­ko­haf­ter Be­wäl­ti­gung. In: Zeit­schrift für So­zi­al­päd­ago­gik, Heft 4, 2009, S. 360-372
  • Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2010): Netz­werk­bil­dung unter Be­din­gun­gen von Armut und Mi­gra­ti­on. In: Her­gen­rö­der, Curt Wolf­gang (Hrsg.): Gläu­bi­ger, Schuld­ner, Arme. Netz­wer­ke und die Rolle des Ver­trau­ens. Wies­ba­den, S. 105-115
  • Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2010): Mi­gra­ti­on, Armut und Be­wäl­ti­gung. Eine fall­re­kon­struk­ti­ve Stu­die. Wein­heim und Mün­chen
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2011): Kri­sen und Schul­den: So­zi­al­päd­ago­gi­sche Per­spek­ti­ven. In: Her­gen­rö­der, Curt Wolf­gang (Hrsg.): Kri­sen und Schul­den. His­to­ri­sche Ana­ly­sen und ge­gen­wär­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen. Wies­ba­den, S. 81-97
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2012): Mi­gra­ti­on Bio­gra­phies and Trans­na­tio­nal So­ci­al Sup­port: Trans­na­tio­nal Fa­mi­ly Care and the Se­arch for „Home­land­men“. In: Cham­bon, Adri­en­ne/Schrö­er, Wolf­gang/Schwep­pe, Cor­ne­lia (eds.): Trans­na­tio­nal So­ci­al Sup­port. Lon­don/New York, S. 129-148
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2012): Ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be trotz Schul­den – Ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be auf­grund von Schul­den? So­zi­al­päd­ago­gi­sche Per­spek­ti­ven für ein dis­kur­si­ves Ver­ständ­nis von ge­sell­schaft­li­cher Teil­ha­be. In: For­schungs­clus­ter „Ge­sell­schaft­li­che Ab­hän­gig­kei­ten und so­zia­le Netz­wer­ke“ (Hrsg.): Ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be trotz Schul­den. Per­spek­ti­ven in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Wis­sens­trans­fers. Wies­ba­den, S. 27-37
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena (2013): Mi­gra­ti­on, Armut und Agen­cy: Em­pi­ri­sche Bei­spie­le und me­tho­do­lo­gi­sche Re­fle­xio­nen. In: Graß­hoff, Gun­ther (Hrsg.): Adres­sa­ten, Nut­zer, Agen­cy: Ak­teurs­be­zo­ge­ne For­schungs­per­spek­ti­ven in der So­zia­len Ar­beit. Wies­ba­den, S. 255-273
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2013): „Das trans­na­tio­na­le Wohn­zim­mer“ – Trans­na­tio­na­le so­zia­le Räume und die Trans­na­tio­na­li­sie­rung des All­tags durch Me­di­en. In: Herz, An­dre­as/Oli­vier, Clau­dia (Hrsg.): Trans­mi­gra­ti­on und So­zia­le Ar­beit. Ein öff­nen­der Blick auf All­tags­wel­ten. Balt­manns­wei­ler, S. 145-161
  • Ben­der, Désirée/Holl­stein, Tina/Huber, Lena/Schwep­pe, Cor­ne­lia (2013): Be­wäl­ti­gung von Schuld(en) und Armut? „Grade die Vor­ur­tei­le sind halt schon sehr sehr schmerz­lich“. Dis­kur­si­ve Bil­der als Ge­gen­stand mul­ti­di­men­sio­na­ler Be­wäl­ti­gung. In: For­schungs­clus­ter „Ge­sell­schaft­li­che Ab­hän­gig­kei­ten und so­zia­le Netz­wer­ke“ (Hrsg.): Schul­den und ihre Be­wäl­ti­gung. In­di­vi­du­el­le Be­las­tun­gen und ge­sell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen. Wies­ba­den, S. 53-74.
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