X.I.13: Staatliche/ Kommunale Intervention gegenüber überschuldeten Personen in der Frühen Neuzeit

Pro­jekt­be­schrei­bung 

Pro­jekt­lei­ter: Prof. Dr. An­dre­as Roth, Mainz (Lehr­stuhl für Deut­sche Rechts­ge­schich­te) 
Wiss. Mit­ar­bei­ter: Herr Ass. jur. Lud­wig Griebl 

Ge­gen­stand des Pro­jek­tes ist die staat­li­che/ kom­mu­na­le In­ter­ven­ti­on ge­gen­über über­schul­de­ten Per­so­nen in der frü­hen Neu­zeit im Span­nungs­ver­hält­nis zu den Re­ge­lun­gen der Vor­mund­schaft über Er­wach­se­ne. Das von der Rechts­ge­schich­te ge­zeich­ne­te Bild von der recht­li­chen Für­sor­ge für Er­wach­se­ne wäh­rend der frü­hen Neu­zeit stellt ein­sei­tig auf das vom rö­mi­schen Recht be­ein­fluss­te Vor­mund­schafts­recht ab. Wäh­rend dies für die Theo­rie des ge­mei­nen Rechts zu­tref­fend ist, sah die Pra­xis da­ge­gen ver­mut­lich deut­lich viel­ge­stal­ti­ger aus. Denn neben den tra­di­tio­nel­len oder re­for­ma­ti­ons­recht­li­chen Re­ge­lun­gen waren zu be­vor­mun­den­de Er­wach­se­ne auch einer von ord­nungs- oder po­li­zei­recht­li­chen In­ter­es­sen ge­präg­ten Ge­setz­ge­bung der je­wei­li­gen Ter­ri­to­ri­al­staa­ten und Ob­rig­kei­ten un­ter­wor­fen. So exis­tier­te vor allem im Be­reich der staat­li­chen/ kom­mu­na­len In­ter­ven­ti­on ge­gen­über über­schul­de­ten Per­so­nen (so ge­nann­te Ver­schwen­der) eine große Band­brei­te an „po­li­cey­recht­li­chen“ und straf­recht­li­chen Re­ge­lun­gen und Maß­nah­men, die in­ner­halb der ver­schie­de­nen Netz­wer­ke An­wen­dung fin­den konn­ten, etwa auf kom­mu­na­ler Ebene, in­ner­halb einer Dorf­ge­mein­schaft oder auch rein in­ner­fa­mi­li­är. Hier war also in den ein­zel­nen Ter­ri­to­ri­en in der Regel der An­wen­dungs­be­reich meh­re­rer ganz un­ter­schied­li­cher Re­ge­lungs­kom­ple­xe er­öff­net. 
Die Un­ter­su­chung wird daher im Rah­men einer qua­li­ta­ti­ven Fall­stu­die zu­nächst die ein­zel­nen Re­ge­lun­gen er­ar­bei­ten, ihren Zweck und In­halt, und dann vor allem die kon­kre­ten Maß­nah­men, die in­ner­halb ver­schie­de­ner Netz­wer­ke an­ge­wandt wur­den. Dar­über hin­aus wird – so­weit mög­lich – auch der Frage nach­ge­gan­gen wer­den, in­wie­weit es bei einem Ne­ben­ein­an­der ver­schie­de­ner Nor­men, die Ver­schwen­der be­tra­fen, zu einer so ge­nann­ten An­wen­dungs­kon­kur­renz ge­kom­men ist und wie diese in der Pra­xis – mög­li­cher­wei­se je nach so­zia­ler und ge­sell­schaft­li­cher Stel­lung des zu Be­vor­mun­den­den – ge­löst wurde. Diese Frage ge­winnt dann be­son­ders an Be­deu­tung, wenn für be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen und Le­bens­si­tua­tio­nen theo­re­tisch so­wohl in­halt­lich als auch der ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel­set­zung nach ver­schie­de­ne Nor­men und Maß­nah­men An­wen­dung fin­den konn­ten: Ob ein Vor­mund mit der Ver­mö­gens­ver­wal­tung be­auf­tragt wird oder ob es so­gleich zur Durch­füh­rung po­li­cey­li­cher Maß­nah­men kommt, die aus Grün­den der So­zi­al­dis­zi­pli­nie­rung eine Ein­wei­sung ins Zucht­haus be­inhal­te­ten, oder ob ein ge­stuf­tes Ver­fah­ren durch­ge­führt wird, bei dem zu­nächst eine Ab­mah­nung des Be­trof­fe­nen er­folgt, die­ser dann bei feh­len­der Bes­se­rung eine Turm­stra­fe zu ver­bü­ßen hat und in letz­ter Kon­se­quenz mit der Be­stel­lung eines Vor­munds die Ver­fü­gungs­ge­walt über sein Ver­mö­gen ein­büßt. Schließ­lich kann ein Ver­schwen­der aber auch Adres­sat einer rein straf­recht­li­chen Maß­nah­me wer­den, im Ver­lauf derer er zur Ab­stra­fung eine Ge­fäng­nis­stra­fe zu ver­bü­ßen hat. Die prak­ti­schen Un­ter­schie­de konn­ten also ge­wal­tig sein. 
Vor­ge­se­hen ist eine räum­li­che Be­gren­zung der Stu­die auf das Kur­fürs­ten­tum Mainz, das Her­zog­tum Würt­tem­berg sowie die Reichs­stadt Frank­furt, um ex­em­pla­risch drei ver­schie­de­ne Ter­ri­to­ri­en zu un­ter­su­chen (Kur­mainz als geist­li­ches, Würt­tem­berg als welt­li­ches und Frank­furt als städ­ti­sches Ter­ri­to­ri­um) und mög­li­che Un­ter­schie­de in der recht­li­chen Be­hand­lung von über­schul­de­ten Per­so­nen fest­stel­len zu kön­nen. 

Ar­beits­stand / Pro­jekt­fort­schritt 

• Er­mitt­lung der das Thema be­tref­fen­den früh­neu­zeit­li­chen Nor­men im Ge­mei­nen Recht und in der Ter­ri­to­ri­al­ge­setz­ge­bung 
• Auf­lis­tung der un­ter­schied­li­chen Maß­nah­men im Be­reich über­schul­de­ter Per­so­nen in den Ter­ri­to­ri­en / Dif­fe­ren­zie­rung nach den ein­zel­nen Netz­wer­ken (Kom­mu­ne, Kir­che, Fa­mi­lie)
• Durch­füh­rung der Quel­len­re­cher­che im Be­reich der po­li­zei­recht­li­chen und kom­mu­na­len Re­ge­lun­gen in­ner­halb der je­wei­li­gen Ter­ri­to­ri­en (Dar­stel­lung der ein­zel­nen staat­li­chen/ kom­mu­na­len und fa­mi­liä­ren In­ter­ven­ti­ons­maß­nah­men)
• Re­cher­che ein­zel­ner Fall­bei­spie­le an­hand derer die prak­ti­sche An­wen­dung der Nor­men auf über­schul­de­tet Per­so­nen auf­ge­zeigt wer­den kann 

(Stand No­vem­ber 2008)

Kategorie Allgemein