X.III.05: Das Überleben peripherer Regionen durch Netzwerkbildung : Selbsthilfe-Netzwerke im Gesundheitsbereich

Projektbeschreibung

Pro­jekt­lei­tung: Dr. Sa­bi­ne Hamm

Pro­jekt­be­reich III: Netz­wer­ke öko­no­mi­schen Han­delns im Kon­text glo­ba­ler öko­no­mi­scher Ab­hän­gig­kei­ten

Pro­jekt III.5:
Netz­wer­ke als Über­le­bens­stra­te­gi­en pe­ri­phe­rer Re­gio­nen am Bei­spiel von

Er­neu­er­ba­re En­er­gie­Netz­wer­ke und
Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke

Konzept

1. Pro­jekt­be­schrei­bung 

In der De­bat­te um zu­kunfts­fä­hi­ge Re­gio­nen in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung und welt­wei­ter Wirt­schafts­kri­sen rich­tet sich die Auf­merk­sam­keit ver­mehrt auf das Po­ten­ti­al klei­ner, lokal or­ga­ni­sier­ter und ver­netz­ter Bür­ger- und Selbst­hil­fe­initia­ti­ven. Am Bei­spiel zwei­er Typen re­gio­na­ler Netz­wer­ke fra­gen wir, wel­che Be­din­gun­gen und Struk­tu­ren ihren Er­folg för­dern bzw. auch hem­men. So un­ter­such­ten wir in der ers­ten Phase Er­neu­er­ba­re En­er­gie­Netz­wer­ke (von 2005 bis Ende 2008). Wie David gegen Go­li­ath rufen sie eine „En­er­gie­wen­de jetzt!“ aus. Sie po­si­tio­nie­ren sich ge­gen­über mo­no­po­lis­tisch or­ga­ni­sier­ten En­er­gie­ver­sor­gern, die den Neu­bau von Koh­le­kraft­wer­ken und die Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten von Atom­kraft­wer­ken an­stre­ben. Dabei set­zen sie auf de­zen­tra­le, er­neu­er­ba­re En­er­gi­en. Dazu haben wir bis­lang ers­tens eine um­fang­rei­che, bun­des­wei­te Da­ten­bank auf­ge­baut, zwei­tens eine ganze Reihe von En­er­gie­Netz­wer­ken in un­se­rer Re­gi­on ge­nau­er ana­ly­siert, und drit­tens in der Logik der Ak­ti­ons­for­schung selbst an der Grün­dung einer sol­chen In­itia­ti­ve („100 %-Re­gi­on Trier“) mit­ge­wirkt und damit die Mög­lich­keit er­hal­ten, die­ses Netz­werk in sei­ner Ge­ne­se be­ob­ach­ten zu kön­nen.
In Phase 2 über­prü­fen und ent­wi­ckeln wir die in Phase 1 er­ar­bei­te­te Me­tho­do­lo­gie an einem qua­li­ta­tiv an­de­ren Typ, näm­lich Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke und Selbst­hil­fe­grup­pen im Frau­en-ge­sund­heits­be­reich.

2. Hin­ter­grund 

Selbst­hil­fe-Netz­wer­ke im Ge­sund­heits­be­reich
Seit Mitte des 20. Jahr­hun­derts ent­wi­ckel­ten sich Selbst­hil­fe-Netz­wer­ke im Ge­sund­heits­be­reich als Kri­tik auf die ge­sund­heit­li­chen Dienst­leis­tun­gen von Staat und Wohl­fahrts­pfle­ge und auf Män­gel des Ge­sund­heits- und So­zi­al­we­sens, in den ers­ten Jah­ren teil­wei­se im Kon­flikt mit den in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten und eta­blier­ten Ge­sund­heits­an­bie­tern. Heute sto­ßen sie mehr­heit­lich auf An­er­ken­nung und Un­ter­stüt­zung und wer­den „als re­form­ori­en­tier­te und krea­ti­ve Ge­gen­welt zum pro­fes­sio­nel­len Ver­sor­gungs­sys­tem“ ge­wer­tet.1 Im Jahr 2001 un­ter­strich der Sach­ver­stän­di­gen­rat der Kon­zer­tier­ten Ak­ti­on im Ge­sund­heits­we­sen in sei­nem Gut­ach­ten die Be­deu­tung der Selbst­hil­fe für die Be­wäl­ti­gung von Krank­hei­ten durch psy­cho­so­zia­le Un­ter­stüt­zung au­ßer­halb fa­mi­liä­rer Netz­wer­ke sowie die neue Rolle der Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten als an­er­kann­te Part­ne­rin­nen und Part­ner im Ge­sund­heits­sys­tem. Ge­gen­wär­tig en­ga­gie­ren sich al­lein in frei­wil­li­gen In­itia­ti­ven und Selbst­hil­fe­grup­pen rund 1,4 Mil­lio­nen Men­schen haupt­amt­lich und schät­zungs­wei­se 2,5 bis 3 Mil­lio­nen Bür­ger eh­ren­amt­lich, das sind in etwa 70.000 bis 100.000 Grup­pen zu rund 1.000 The­men, davon 38.000 Grup­pen bei Selbst­hil­fe­kon­takt­stel­len.2
Ver­gli­chen zu den er­neu­er­ba­ren En­er­gie­Netz­wer­ken be­sit­zen sie eine län­ge­re Tra­di­ti­on und sind so­wohl bun­des- wie lan­des­weit (DPWV, BAGH, DAG SHG und NAKOS)3 als auch re­gio­nal (SEKIS, Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen) or­ga­ni­sa­to­risch gut auf­ge­stellt. Den­noch lei­den sie unter chro­ni­scher fi­nan­zi­el­ler Un­ter­ver­sor­gung mit allen dar­aus er­wach­sen­den Pro­ble­men. Im Frau­en­gesund­heits­be­reich sind hier be­son­ders die re­gio­nal ak­ti­ven Frau­en­selbst­hil­fe­grup­pen nach Krebs (nach Brust- und Ge­bär­mut­ter­krebs) zu nen­nen.

Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke (FGN) und Frau­en­gesund­heits­zen­tren (FGZ)
Die vor­läu­fi­ge Re­cher­che zeigt:
Die Frau­en­gesund­heits­be­we­gung und ihre „wis­sen­schaft­li­che Schwes­ter“ die Frau­en­gesund­heits­for­schung ent­wi­ckel­ten sich in den zu­rück­lie­gen­den Jahr­zehn­ten an­ders als die meis­ten Ge­sund­heits-Selbst­hil­fe-In­itia­ti­ven aus der po­li­ti­schen Frau­en­be­we­gun­gen her­aus und haben von daher auch ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren und Netz­wer­ke ge­bil­det. Auf der einen Seite bil­de­ten sich an ein­zel­nen Stand­or­ten ei­ge­ne Struk­tu­ren, wie z.B. al­ter­na­ti­ve Frau­en­gesund­heits­zen­tren, Frau­en­häu­ser, Frau­en­not­ru­fe, Ge­burts­häu­ser und/oder re­gio­nal bzw. über­re­gio­nal agie­ren­de Netz­wer­ke wie der Ar­beits­kreis „Frau­en und Ge­sund­heit“ im nord­deut­schen For­schungs­ver­bund Pu­blic Health oder das „Na­tio­na­le Netz­werk Frau­en­gesund­heit“. Letz­te­re sind Ar­beits­bünd­nis­se von In­sti­tu­tio­nen, Ver­ei­nen und/oder ein­zel­nen Fach­frau­en. Sie die­nen dem re­gel­mä­ßi­gen the­men­be­zo­ge­nen Er­fah­rungs­aus­tausch, bün­deln In­for­ma­tio­nen und Res­sour­cen und bil­den die Platt­form für ge­mein­sa­me Ak­tio­nen. Ihre Größe, Struk­tur und Ar­beits­wei­se sind sehr ver­schie­den. Da­ne­ben eta­blier­ten sich auch wis­sen­schaft­li­che Fach­ge­sell­schaf­ten, Fach­be­rei­che und Ar­beits­krei­se. In vie­len uni­ver­si­tä­ren Fach­dis­zi­pli­nen wur­den Frau­en- (heute) Gen­der-Stu­di­en ein­ge­rich­tet und Frau­en­for­schungs­pro­fes­su­ren be­ru­fen. Zu die­ser Ent­wick­lung tru­gen der „In­sti­tu­tio­na­li­sie­rungs­schub“ durch das Eta­blie­ren der Pu­blic-Health-For­schungs­ver­bün­de der 90er Jahre wie die in öf­fent­li­chen Be­hör­den und Ein­rich­tun­gen ver­mehrt ein­ge­rich­te­ten Frau­en- und Gen­der­be­auf­trag­ten bei. Vor allem die­ser „In­sti­tu­tio­na­li­sie­rungs­schub“ er­mög­lich­te die – wenn auch manch­mal zähe und von Rück­schlä­gen ge­kenn­zeich­ne­te – Er­folgs­ge­schich­te der Frau­en­gesund­heits­be­we­gung in Deutsch­land. 4 Al­ler­dings lei­den alle diese Struk­tu­ren nach wie vor an be­gren­zen Mit­tel­zu­wei­sun­gen und fi­nan­zi­el­ler wie per­so­nel­ler Un­ter­aus­stat­tung. 
Diese sich seit nun rund vier Jahr­zehn­ten ent­wi­ckeln­den Struk­tu­ren (Netz­wer­ke, Ar­beits­krei­se, FGZ), eta­blier­ten sich je­doch re­gio­nal sehr un­ter­schied­lich. Mehr­heit­lich gibt es sie in grö­ße­ren Städ­ten. Da­ne­ben bil­den ganze Bun­des­län­der aber auch noch weiße Fle­cken. In Rhein­land-Pfalz bzw. Trier haben sich zwar eben­falls wie in an­de­ren Städ­ten Frau­en­häu­ser und Frau­en-Not­ruf­zen­tra­len eta­bliert, aber ge­ra­de sol­che für Frau­en wich­ti­gen, weil in­ter­es­sen­un­ab­hän­gi­gen In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­stel­len wie al­ter­na­ti­ve Frau­en­gesund­heits­zen­tren oder re­gio­na­le Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke sucht man (bzw. Frau) ver­ge­bens. Ein wis­sen­schaft­li­ches En­ga­ge­ment in der Logik des Schwer­punk­tes III er­scheint auch von daher ver­nünf­tig und wich­tig. 

FGN ent­wi­ckel­ten sich, ins­be­son­de­re aus der Er­kennt­nis der Frau­en­gesund­heits­be­we­gung, dass ge­schlech­ter­dif­fe­ren­zier­te Ge­sund­heits­för­de­rung und -ver­sor­gung noch längst kein selbst­ver­ständ­li­cher Grund­satz im deut­schen Ge­sund­heits­sys­tem und der Ge­sund­heits­po­li­tik sind. Un­ter­su­chun­gen brin­gen zum Aus­druck, dass Frau­en zwar sta­tis­tisch län­ger als Män­ner leben, aber auf­grund spe­zi­el­ler Be­las­tun­gen und Be­an­spru­chun­gen ei­ner­seits und ihrer Bio­lo­gie an­de­rer­seits so­wohl an­de­ren ge­sund­heit­li­chen Ris­ken aus­ge­setzt sind als auch an­de­re Krank­hei­ten ent­wi­ckeln und des­we­gen eine spe­zi­el­le An­ge­bots­struk­tur zur För­de­rung ihrer Ge­sund­heit brau­chen. Bis in die heu­ti­ge Zeit sind je­doch das Ge­sund­heits­sys­tem und die me­di­zi­ni­sche For­schung auf ein männ­lich-me­di­zi­nisch-bio­lo­gi­sches Ver­ständ­nis von Krank­heit und Ge­sund­heit fest­ge­legt. Hier schuf die Frau­en­gesund­heits­for­schung ein kri­ti­sches Be­wusst­sein. Sie sieht die Ge­schich­te der na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Me­di­zin im Licht der Ge­schlech­ter­ver­hält­nis­se. Wo der männ­li­che Kör­per als das Nor­ma­le be­grif­fen wurde, galt das In­ter­es­se der me­di­zi­ni­schen Wis­sen­schaft vor allem den weib­li­chen Ab­wei­chun­gen von die­ser Norm, die häu­fig als krank­haft ge­se­hen wur­den. Die Frau­en­gesund­heits­for­schung hin­ter­fragt des­halb Zu­schrei­bun­gen und Dia­gno­sen, die in die­ser Tra­di­ti­on einer Pa­tho­lo­gi­sie­rung des weib­li­chen Kör­pers ste­hen. Für die Ge­sund­heits­for­schung for­dert sie eine Blick­wei­se, die Un­ter­schie­de in Ge­sund­heit und Krank­heit zwi­schen den Ge­schlech­tern an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt – in der Ge­sund­heits­be­richt­er­stat­tung, in der Ent­wick­lung von Dia­gno­se­ver­fah­ren und The­ra­pi­en. Sie for­dert dar­über hin­aus eine ge­schlech­ter­sen­si­ble Struk­tur des Ge­sund­heits­we­sens, die in der ge­sund­heit­li­chen Ver­sor­gung und bei der Ge­sund­heits­för­de­rung den Be­dürf­nis­sen von Frau­en ent­spricht und wen­det sich ent­schie­den gegen die zu­neh­men­den Me­di­ka­li­sie­rungs- und Pa­tho­lo­gi­sie­rungs­be­stre­bun­gen in me­di­zi­ni­schen wie phar­ma­zeu­ti­schen In­ter­es­sen­krei­sen, ins­be­son­de­re der gro­ßen trans­na­tio­nal ori­en­tier­ten Kon­zer­ne und ihrer Lob­bies. Die Glo­ba­li­sie­rung des Me­di­zin­be­trie­bes hat in­so­fern auch eine Glo­ba­li­sie­rung der Ori­en­tie­rung am männ­li­chen Kör­per zur Folge. Kaum eine weib­li­che Um­bruch­pha­se läuft heute noch ohne me­di­zi­ni­sche und phar­ma­ko­lo­gi­sche Be­glei­tung ab, mit für die weib­li­che Ge­sund­heit vie­len nicht in­ten­dier­ten Fol­gen ab­sicht­vol­len (ra­tio­na­len) Han­delns. Un­nö­ti­ge, vor­schnel­le, mit­un­ter gar ris­kan­te und ge­sund­heits­ge­fähr­den­de me­di­zi­ni­sche In­ter­ven­tio­nen und The­ra­pi­en ge­ra­ten dies­be­züg­lich ver­stärkt in die Kri­tik.5 Wi­der­stands­stra­te­gi­en der Be­trof­fe­nen haben da­ge­gen in ers­ter Linie re­gio­na­le Ef­fek­te und tra­gen auf diese Weise zum Sta­bi­li­sie­ren von Re­gio­nen bei.

3. For­schungs­vor­ge­hen

Neben der in einem ers­ten Schritt er­fol­gen­den gründ­li­chen Ana­ly­se des Vor­han­de­nen (bun­des­weit wie re­gio­nal) fra­gen wir in einem zwei­ten Schritt, wel­che Typen von Ge­sund­heits­netz­wer­ken gut funk­tio­nie­ren, be­ant­wor­ten damit drit­tens die in der Netz­werkana­ly­se so wich­ti­ge Frage der Struk­tur6, vor­zugs­wei­se der för­dern­den bzw. hem­men­den Be­din­gun­gen und Fak­to­ren und wer­den schließ­lich vier­tens diese Er­geb­nis­se zu einem Kon­zept zur Eta­blie­rung sol­cher Netz­wer­ke in Re­gio­nen, die hier Nach­hol­be­darf haben, ver­ar­bei­ten.
So­fern das Pro­jekt bis Ende 2011 ver­län­gert wird be­ab­sich­ti­gen wir, die In­itia­ti­ve zu er­grei­fen, die­ses Kon­zept in Trier prak­tisch um­zu­set­zen. Hier­durch er­öff­net sich in der Logik der so­zio­lo­gi­schen Ak­ti­ons­for­schung die Mög­lich­keit, selbst an der Grün­dung einer sol­chen In­itia­ti­ve mit­zu­wir­ken, womit wir die­ses Netz­werk in statu nas­cen­di be­ob­ach­ten kön­nen. Die Er­geb­nis­se sol­len do­ku­men­tiert und mit Ver­ant­wort­li­chen dis­ku­tiert wer­den. Hier­zu pla­nen wir ers­tens, die in der Re­gi­on Trier vor­han­de­nen Frau­en­in­itia­ti­ven sowie die Per­so­nen, die sich aus be­ruf­li­chen oder sons­ti­gen Grün­den hier­für in­ter­es­sie­ren bzw. en­ga­gie­ren an­zu­spre­chen, zu be­fra­gen und für die Idee der Um­set­zung zu ge­win­nen; zwei­tens einen Work­shop mit Ex­per­ten und In­ter­es­sier­ten aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum durch­zu­füh­ren, die be­son­ders er­fah­ren, krea­tiv und in­no­va­tiv in die­sem Um­feld sind. Die Er­geb­nis­se sol­len drit­tens wie­der­um do­ku­men­tiert wer­den und vier­tens an­de­ren In­ter­es­sier­ten (z. B. öf­fent­li­che Ver­wal­tung, Ver­bän­den) vor­ge­stellt und mit ihnen dis­ku­tiert wer­den. Schließ­lich geht es im letz­ten Schritt darum, die bis dahin ge­won­ne­nen Ein­sich­ten mit den Be­trof­fe­nen zu dis­ku­tie­ren und ihre Ge­ne­ra­li­sier­bar­keit zu über­prü­fen. Es ist ge­plant, dies wie­der­um in einer Pu­bli­ka­ti­on öf­fent­lich zu ma­chen. Für die ge­sam­te Un­ter­su­chung wird ein Zeit­rah­men von 36 Mo­na­ten ver­an­schlagt. Die ein­zel­nen Ar­beits­schrit­te wer­den sich na­tur­ge­mäß teil­wei­se über­lap­pen.
Da­ne­ben prü­fen wir, ob sich der im Pro­jekt III ent­wi­ckel­te Venn­Ma­ker auch für die Vi­sua­li­sie­rung der re­la­tio­na­len Struk­tu­ren der Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke eig­net.

4. Ziel

Aus­ge­hend von einer Ana­ly­se der Si­tua­ti­on der Ge­sund­heit von Frau­en un­ter­su­chen wir exis­tie­ren­de Frau­en­gesund­heits­Netz­wer­ke und -in­itia­ti­ven. Wir fra­gen nach ihrer Ent­ste­hung, ihren Struk­tu­ren, ihren för­dern­den wie be­hin­dern­den Rah­men­be­din­gun­gen, ihren Po­ten­tia­len wie Gren­zen sowie den Stra­te­gi­en der Um­set­zung ihrer Er­kennt­nis­se in die Pra­xis. Die Ver­or­tung der ei­ge­nen Per­son in Netz­wer­ken ist eben­so Thema wie die Dis­kus­si­on von Netz­werk­kom­pe­tenz und Gen­der­per­spek­ti­ve.

5. Theo­re­tisch stütz­ten wir uns auf

die so­zio­lo­gi­sche Netz­werkana­ly­se,
die Frau­en- bzw. Gen­der-Ge­sund­heits­for­schung, spe­zi­ell dem in der Ge­sund­heits­wis­sen­schaft und Me­di­zin­so­zio­lo­gie er­forsch­ten Kennt­nis­stand zur Frau­en­gesund­heit,
dem in der Pu­blic Health-Be­we­gung und For­schung dis­ku­tier­ten Set­ting-An­satz,
den in der Päd­ago­gik und der So­zi­al­ar­beit ent­wi­ckel­ten Stra­te­gi­en der Ge­sund­heits­kom­pe­tenz und des Em­power­ments.

6. For­schungs­fra­gen

Wie und warum ent­stan­den FGN: Ihre Ge­ne­se und ihre Ent­ste­hungs­be­din­gun­gen, ihre Ent­wick­lung von in­for­mel­len zu for­mel­len Netz­wer­ken;
Wel­che Struk­tu­ren gibt es (Ge­samt­netz­wer­ke und ego­zen­trier­te Netz­wer­ke – An­fer­ti­gen von Ak­teurs­lis­ten)? Wie ist ihre Ar­beits­wei­se? Wer sind Schlüs­sel­per­so­nen? Wie sind die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ak­teu­ren – ihre re­la­tio­na­len Struk­tu­ren, wie z.B. ihre In­hal­te, In­ten­si­tät, Dich­te und For­men? Wie ihre nicht- re­la­tio­na­len Struk­tu­ren (wie z. B. Qua­li­fi­ka­ti­ons-, Bil­dungs- und Al­ters­struk­tu­ren, ihre geo­gra­fi­sche Ver­tei­lung)?
Wie geht der Res­sour­cen­trans­fer (in­tern wie ex­tern) von­stat­ten, wie ver­läuft die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Wei­ter­ga­be von in ers­ter Linie (nicht­ma­te­ri­el­len) In­for­ma­tio­nen (wer be­ein­flusst wen?)? Gibt es dar­über hin­aus einen ma­te­ri­el­len Aus­tausch, z.B. in Form von ge­mein­sa­men For­schungs­vor­ha­ben, Pro­jek­ten, Ak­tio­nen, von Per­so­nal?
Wel­che Ziele, In­hal­te, The­men, Pro­ble­me ste­hen im Vor­der­grund?
Wer sind die Ak­teu­re? Was ist ihre Mo­ti­va­ti­on und ihr Ziel? Was ist ihr be­ruf­li­cher Hin­ter­grund?
Was sind die Er­geb­nis­se der Netz­wer­ke?
Wel­che Fak­to­ren bzw. Be­din­gun­gen för­dern bzw. hem­men oder blo­ckie­ren die Netz­werk­bil­dung? Gibt es wi­der­stre­ben­de In­ter­es­sen (äu­ße­re Be­din­gun­gen)?
Wel­che Fak­to­ren bzw. Be­din­gun­gen för­dern bzw. hem­men oder blo­ckie­ren die Ar­beit der FGN’s (in­ne­re Be­din­gun­gen)?
Mit wel­chen Pro­ble­men, Schwie­rig­kei­ten und Kon­flik­ten haben FGN’s oder Selbst­hil­fe­grup­pen zu tun?
Wel­chen Ein­fluss haben sie auf die re­gio­na­le Ge­sund­heits­po­li­tik, die Ge­sund­heits­ver­sor­gung und das Ge­sund­heits­ver­hal­ten?

7. Me­tho­dik

In­ter­net- und Li­te­ra­tur­re­cher­che
Ex­per­ten­ge­sprä­che und -in­ter­views
Be­fra­gung in­di­vi­du­el­ler wie kor­po­ra­ti­ver Ak­teu­re
Se­kun­där­ana­ly­se (Mit­glie­der­ver­zeich­nis­se, Hand­bü­cher, Ver­öf­fent­li­chun­gen)
Be­ob­ach­tung
Venn­Ma­ker

8. Zeit­plan

Ana­ly­se der Li­te­ra­tur und der Netz­wer­ke: 10 Mo­na­te
Aus­wahl, Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung der In­ter­views: 10 Mo­na­te
Or­ga­ni­sa­ti­on, Durch­füh­rung und Do­ku­men­ta­ti­on des Work­shops: 5 Mo­na­te
Dis­kus­sio­nen mit Netz­wer­ken, Prä­sen­ta­ti­on und Dis­kus­si­on der Er­geb­nis­se mit in­ter­es­sier­ten Stel­len: 5 Mo­na­te
Schluss­be­richt: 6 Mo­na­te

1) R. Green,E.​Hubert, J.​Hundert­mark-May­ser, B. Möl­ler-Bock, W. Thiehl: Ent­wick­lung, Si­tua­ti­on der Selbst­hil­fe­un­ter­stüt­zung in Deutsch­land. In: Bun­des­ge­sund­heits­bl.-Ge­sund­heits­forsch.- Ge­sund­heits­schutz, S. 11, Sprin­ger Me­di­zin Ver­lag 2009
2) http://​www.​nakos.​de/​site
3) DPWV Deut­scher Pa­ri­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Ge­samt­ver­band e.V., BAGH Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Hilfe für Be­hin­der­te e.V., DAG SHG Deut­sche Ar­beits­ge­mein­schaft Selbst­hil­fe­grup­pen e.V., NAKOS Na­tio­na­le Kon­takt- und In­for­ma­ti­ons­stel­le zur An­re­gung und Un­ter­stüt­zung von Selbst­hil­fe­grup­pen
4) Klaus Hur­rel­mann, Petra Kolip (Hrsg.): Ge­schlecht, Ge­sund­heit und Krank­heit – Män­ner und Frau­en im Ver­gleich, Ver­lag Hans Huber, Bern, Göt­tin­gen 2002, S. 13 ff 
5) P. Kolip, G. Gla­es­ke: Me­di­ka­li­sie­rung weib­li­cher Bio­gra­phi­en im mitt­le­ren Alter. In: Schwei­ze­ri­sche Ärz­te­zei­tung 2002, 83, Nr.10
6) Do­ro­thea Jan­sen schreibt: „Wäh­rend die re­la­tio­na­len Merk­ma­le das Roh­ma­te­ri­al sind, das für die Netz­werkana­ly­se er­ho­ben wer­den muss, sind die struk­tu­rel­len Merk­ma­le das ei­gent­li­che Ziel der Netz­werkana­ly­se.“ In: Ein­füh­rung in die Netz­werkana­ly­se, S. 57f, Leske Bud­rich UTB, Op­la­den 2003

Team

Pro­jekt­lei­ter:

Dr. Sa­bi­ne Hamm 

Stu­den­ti­sche Hilfs­kraft:

Ste­fa­nie Junk

Impressum

Publikationen

Ab­schluss­be­richt des Pro­jekts III.5

Der Ab­schluss­be­richt des Pro­jekts III.5 „Netz­wer­ke als Über­le­bens­stra­te­gi­en pe­ri­phe­rer Re­gio­nen am Bei­spiel von Frau­en­gesund­heits­netz­wer­ken“ ist er­schie­nen und kann als PDF-Do­ku­ment her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Kategorie Allgemein