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Das Forschungszentrum Europa
Geistes- und Sozialwissenschaftler aus 10 Fächern arbeiten in autonomen, über eigene Forschungsmittel verfügende Projekte und Projektverbünde ganz unterschiedlicher Größe unter dem Dach des FZE zusammen. Das Forschungszentrum übernimmt für laufende Projekte Managementaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig unterstützt es die Verbünde bei ihren laufenden Forschungen und fördert neue Forschungsinitiativen in ihrer Startphase.

Wie das FZE sowohl als Servicecenter als auch als Impulsgeber für die Forschung agiert, erläutert Prof. Dr. Lutz Raphael, geschäftsführender Leiter des FZE. / Interview: Verena Hoppe


» Herr Prof. Raphael, was sind die Hintergründe des Forschungszentrums "Europa", zu welchem Zweck wurde es an Ihrer Universität eingerichtet? «

Prof. Raphael: Entstanden ist unser Zentrum im Rahmen des Hochschulförderprogramms ›Wissen schafft Zukunft‹, mit dem das Rheinland-Pfälzische Wissenschaftsministerium die Profilbildung der Landesuniversitäten unterstützt. Zwei Ideen standen bei der Gründung des Forschungszentrums Pate: Wir wollten einen neuen organisatorischen Rahmen schaffen, um das Profil unserer Universität im Bereich der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung von der Antike bis zur Gegenwart zu schärfen und um auf diesem Sektor neue Forschungsimpulse zu generieren. Zum anderen wollten wir ein Servicecenter für unsere Forscher und Forschungsverbünde gründen, um ihnen kurze Wege im Forschungsalltag zu ermöglichen.

» Was sind die Aufgaben der Dachorganisation? «

Prof. Raphael: Das Forschungszentrum hat als zentrale Einrichtung der Universität die Aufgabe, alle kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschungsvorhaben zu bündeln, die sich mit der Geschichte und Gegenwart Europas beschäftigen. Dabei verstehen wir unseren Europabezug ganz bewusst nicht eng und beschränken uns nicht auf nationalstaatliche Grenzen. Bei uns gehören Verbindungen zu anderen Zivilisationen und Weltregionen sowie vergleichende Studien selbstverständlich dazu.

»Wir beschäftigen uns mit der Tiefengrammatik der europäischen Gesellschaften bzw. mit der seit der Antike beobachtbaren Dynamik in Kultur, Politik, Gesellschaft und Religion.«


» Der Zusatz im Namen des FZE lautet ›Strukturen langer Dauer und Gegenwartsprobleme‹ – was verstehen Sie darunter? «

Prof. Raphael: Mit ›Strukturen langer Dauer‹ benennen wir die gemeinsame Dimension der vielfältigen historischen bzw. historisch-kulturwissenschaftlichen Forschungen in Trier. Es geht uns um die Analyse prägender Traditionen, epochenübergreifender Kontinuitäten und wiederkehrender Strukturelemente in der europäischen Geschichte. Auf den Punkt gebracht: Wir beschäftigen uns mit der Tiefengrammatik der europäischen Gesellschaften und bzw. mit der Dynamik in Kultur, Politik, Gesellschaft und Religion, die man seit der Antike beobachten kann. Dabei ist unser Interesse an der europäischen Geschichte globalgeschichtlich orientiert. Wir fragen nach Verbindungen, Parallelen und Wirkungen, die die Geschichte Europas mit anderen Erdteilen und Zivilisationen verbinden.

» ... und was genau steht für Sie hinter dem Begriff ›Gegenwartsprobleme‹? «

Prof. Raphael: Mit diesem Begriff lassen sich die Herausforderungen bündeln, vor denen Politik, Kultur und Gesellschaft in Europa heute stehen und über deren Gestaltung intensiv diskutiert wird. Ich nenne ohne Anspruch auf Vollständigkeit: die Gestaltung unserer Umwelt im Zeichen des Klimawandels, die politische und rechtliche Regulierung der wirtschaftlichen Globalisierung, die Weiterentwicklung der europäischen Demokratien und ihrer Kooperation, der kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhalt der europäischen Gesellschaften. All dies generiert neue Forschungsfragen für alle beteiligten Disziplinen, verändert unsere Beschäftigung mit der Vergangenheit. Gegenwartsprobleme werfen die Fragen auf, auf die gegenwartsbezogene und historische Forschungen gemeinsam versuchen, Antworten zu geben.


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